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Kalkulieren und gestalten mit MTM

Perfekte Prozesse bei Henkel

Michel Arnold, Leiter Fertigungsvorbereitung, Henkel AG & Co. KGaA, Heidelberg
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Veröffentlicht am
14.12.2011
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Unternehmen & Projekte (66) > Preiskalkulation (2) > Perfekte Prozesse bei Henkel
Anfang 2011 hat Henkel Heidelberg mit der Einführung von MTM begonnen. Nach der MTM-Ausbildung der Mitarbeiter und der Einführung der Software TiCon© wurde begonnen, die Prozesse zu beschreiben und Prozessbausteine zu erstellen. Mehr dazu erfahren Sie im folgenden Artikel.

Weltweit vertrauen Menschen auf Marken und Technologien von Henkel. Das 1876 gegründete Unternehmen ist mit führenden Marken und Technologien in den drei Geschäftsfeldern Wasch-/Reinigungsmittel, Kosmetik/Körperpflege und Adhesive Technologies (Klebstoff-Technologien) tätig. Henkel hält mit bekannten Marken wie Persil, Schwarzkopf oder Loctite global führende Marktpositionen im Konsumenten- und im Industriegeschäft. Achtzig Prozent der rund 48.000 Mitarbeiter sind außerhalb Deutschlands tätig. Mit dem Unternehmensbereich Adhesive Technologies ist Henkel Weltmarktführer bei Klebstoffen, Dichtstoffen und in der Oberflächentechnik für Konsumenten und Handwerker sowie bei industriellen Anwendungen. Henkel bietet eine Vielzahl von Anwendungen, um die Bedürfnisse dieser unterschiedlichen Zielgruppen zu erfüllen. Am Standort Heidelberg hat Henkel Anfang 2011 begonnen, die Prozesse mit MTM zu gestalten und zu bewerten.

Am Henkel Standort Heidelberg sind rund 600 Mitarbeiter tätig, davon etwa 400 in der Produktion. Die Fertigungsvorbereitung wird von drei Mitarbeitern geführt und ist Teil der Industrietechnik bei Henkel. Das Aufgabengebiet umfasst die Arbeitsplatz- und die Arbeitssystemgestaltung sowie alle Aktivitäten rund um die Zeitwirtschaft. Dazu gehören

  • Erstellen von Kalkulationen und MTM-Bausteinen
  • Prozessbeschreibungen und Arbeitsplanerstellung
  • Entwicklung von Standards
  • die Unterweisung der Mitarbeiter anhand der beschriebenen Methoden
  • die Durchführung von Trainings und Schulungen in MTM.

Anfang 2011 hat Henkel Heidelberg mit der Einführung von MTM begonnen. Initiator war der Standortleiter Rolf Knoerzer, der sein MTM-Wissen an den Standort mitgebracht hat. Zuvor hatte man mit der klassischen Zeitwirtschaft nach REFA kalkuliert. Zum Zweck der MTM-Einführung und Verbreitung wurde die Abteilung Fertigungsvorbereitung im Oktober 2010 gegründet. Nach der MTM-Ausbildung der Mitarbeiter und der Einführung der Software TiCon© wurde begonnen, die Prozesse zu beschreiben und Prozessbausteine zu erstellen. Diese bilden die Basis für die Kalkulation.

Mittlerweile gibt es ca. 650 Bausteine unterschiedlicher Anwendungsebenen. Noch in diesem Jahr werden die 100 wichtigsten Artikel (80 Prozent der Volumina) des Pilotbereichs „Extrusion“ sowohl kalkulatorisch als auch arbeitsgestalterisch abgedeckt sein. Zusätzlich sollen die logistischen Abläufe im Werk betrachtet und mit Bausteinen beschreibungsfähig gemacht werden, um eine belastbare Personalbemessung zu erhalten.


Praxisorientierte interne MTM-Ausbildung

Alle Mitarbeiter der Fertigungsvorbereitung sind MTM-Praktiker, ein Mitarbeiter ist ausgebildeter Instruktor. Im Pilotbereich Extrusion mit 15 Einschnecken-Extrudern, an denen rund 100 Rezepturen zu annähernd 1.000 Halb-und Fertigfabrikaten verarbeitet werden, sind die ersten 25 Mitarbeiter in MTM geschult worden. Im praktischen Teil der Schulung wurden speziell die Verpackungsprozesse bei Henkel betrachtet, z.B. das Kartonagenhandling, die Teilebereitstellung und die Gestaltung des Arbeitsplatzes, um gleichzeitig kostensparend und ergonomisch zu arbeiten.

Neben diesen Kurzschulungen werden für Betriebsingenieure aus dem IE und für operative Führungskräfte, wie etwa Schichtleiter und Teamleiter, MTM-1-Ausbildungen mit zertifiziertem Abschluss angeboten. Damit wird das MTM-Wissen auf eine breite Basis gestellt, die Akzeptanz erhöht und letztlich die Mithilfe bei der Umsetzung ermöglicht.

Erste Erfolge haben sich bereits hinsichtlich der Herstellkosten, aber auch in den Bereichen Arbeitsgestaltung, Produktivität und Qualität eingestellt. Als besonders wichtig wurde erachtet, die Mitarbeiter davon zu überzeugen, dass MTM keine Modeerscheinung im Hause Henkel ist und dass trotz höherem Output nicht mehr, sondern intelligenter gearbeitet wird.
Beispielsweise wurde die Ergonomie an den Arbeitsplätzen verbessert. MTM ist Teil des Continuous Improvement, gemeinsam mit TPM, SMED, 5S und SixSigma als Bestandteil des Lean Management.


Pilotprojekt erfolgreich abgeschlossen

Im Pilotbereich der Profil-Extrusion werden Dichtmaterialien auf der Basis von Synthesekautschuk in Formteile umgewandelt. Dabei werden Einzelrollen, Flach- oder Rundprofile und kurze abgelängte Stücke produziert, die anschließend in unterschiedliche Gebinde verpackt werden. Der Durchlauf sieht folgende Prozessschritte vor:

  • Anlieferung des Grundmaterials (Synthesekautschuk, PVC in Pulverform, Kreiden, Weichmacher, Öle und unterschiedlichste Additive)
  • Mischung nach Rezeptur zu einem Vorprodukt (Halbfabrikat) im Batchbereich
  • Zwischenlagerung der Vorprodukte
  • Herstellung des Endproduktes in den Folgeabteilungen (Extrusion zu Bändern, Abfüllung in Dosen, Kartuschen oder Containern)
  • Verpackung in versandfertige Einheiten (Consumer-Units) inklusive Etikettierung und Palettierung nach Kundenauftrag.

Mit Produkten aus dem Bereich Allgemeine Industrie werden namhafte Hersteller industrieller Güter bedient. Der Bereich Bauindustrie bietet diverse Produkte zum Abdichten, für Feuchteschutz und zum Verkleben an. Im Automobil findet man Henkel-
Produkte unter anderem in Form von Scheibenklebstoffen. Heutzutage werden Scheiben komplett per Roboter am Band mit einer Kleberaupe versehen und eingeklebt.

Weitere Produktlösungen von Henkel im Automobil sind der Unterbodenschutz auf PVC-Basis, komplette Nahtabdichtungen, Geräuschdämmungen, Korrosionsschutz bei Kabeldurchführungen und Schraubverbindungen. Darüber hinaus gibt es intelligente Klebstoffe, so genannte Strukturklebstoffe, die unter Temperatur aushärten und Metallteile strukturell so verstärken, dass eine erhöhte Fahrgastsicherheit durch verändertes Crash-Verhalten gewährleistet ist (siehe Bild 3).


Qualität und Kosten positiv beeinflusst

Der Initiator und Promoter für die Einführung und Anwendung von MTM am Standort Heidelberg, Rolf Knoerzer, Vice President Operations & Supply Chain AT Europe, hat klare Vorstellungen über Einsatz und Nutzen: „MTM kenne ich schon seit langem und weiß, dass wir damit unsere Prozesse hervorragend gestalten und bewerten können. Damit
stabilisieren wir nicht nur den Produktionsprozess, sondern beeinflussen auch Qualität und Kosten positiv. Dabei steht die Qualität zur Zufriedenstellung unserer Kunden an erster Stelle. Unsere Zielsetzung lautet: Null Reklamationen, jedoch immer unter Beachtung der Kosten“, so Knoerzer.

„In 2011 und 2012 werden wir alle Arbeitsplätze mit MTM analysieren, bewerten und gestalten. Auch die maschinengetriebenen Prozesse, an denen immer auch manuelle Anteile vorhanden sind. Bereits heute können wir eine positive Kostenbeeinflussung feststellen. Außerdem sind die standardisierten Prozesse stabiler geworden und das Qualitätsniveau konnte ebenfalls verbessert werden. Nach erfolgreicher Pilotanwendung hier am Standort Heidelberg werden wir die durch die Standardisierung erzielten Ergebnisse aufzeigen und in andere, in meinem Verantwortungsbereich stehende Werke übertragen“.


Fazit

Die Henkel Fertigungsvorbereitung hat MTM als Werkzeug des Produktivitätsmanagments erfolgreich im Pilotprojekt eingesetzt. Die flächendeckende Einführung ist bereits geplant und bietet für die Zukunft gute Möglichkeiten zur Steigerung der Produktivität. Im Verbund mit weiteren Methoden unterstützt MTM das Lean Management von Henkel nachhaltig.

 
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