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SMA installiert ganzheitliches Ergonomiemanagement

„Wertschätzung unserer Mitarbeiter und Kunden“
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Veröffentlicht am
02.12.2014
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Die erste Stufe des insgesamt vierstufigen Umsetzungskonzepts mit neun Pilotprojekten zur ergonomischen Risikobewertung startete im Mai 2014 mit den MTM-Tools Ergo-Check und EAWS (Ergonomic Assessment Work Sheet). Die ersten Ergebnisse sind Erfolg versprechend.

Die SMA Gruppe mit Hauptsitz in Niestetal bei Kassel ist mit einem Umsatz von mehr als 930 Mio. Euro im Jahr 2013 Weltmarktführer bei Photovoltaik-Wechselrichtern, einer zentralen Komponente jeder Solarstromanlage. Das in 21 Ländern vertretene Unternehmen beschäftigt weltweit mehr als 5.000 Mitarbeiter. Die SMA Solar Technology AG produziert ein breites Spektrum an Wechselrichter-Typen für jeden Photovoltaik-Modul-Typ sowie alle Leistungsgrößen von Photovoltaikanlagen und entwickelt innovative Schlüsseltechnologien für zukünftige Energieversorgungsstrukturen. Das Leistungsspektrum wird durch die operative Betriebsführung von solaren Großkraftwerken sowie einen umfangreichen Service abgerundet. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels, des Fachkräftemangels sowie einem prognostizierten altersbedingten Anstieg der Muskel-Skelett-Erkrankungen installiert das Unternehmen jetzt ein ganzheitliches, prospektives Ergonomiemanagement. Im Mai dieses Jahres startete die erste Stufe des insgesamt vierstufigen Umsetzungskonzepts mit neun Pilotprojekten zur ergonomischen Risikobewertung mit den MTM-Tools Ergo-Check und EAWS (Ergonomic Assessment Work Sheet). Die Projektleitung hat Ernst Kaiser inne, HR Specialist Health Management bei SMA und Autor dieses Beitrags.

In punkto Ergonomie fängt SMA nicht bei null an. Angesichts einer Belegschaft, die im Durchschnitt 38 Jahre jung ist, verfolgt SMA seit Jahren einen alternsgerechten Ansatz, der den demografischen Wandel und die Chancen auf ein langes Leben bei guter Gesundheit fokussiert. Die Beschäftigungsfähigkeit der Belegschaft so lange wie möglich zu erhalten, ist auch personalwirtschaftlich hoch relevant. Der „Werkzeugkasten Gesundheit“ bei SMA reicht von A wie Arbeitsschutzmanagement oder Arbeitssituationsanalyse über G wie Gefährdungsbeurteilung oder Gesundheitszirkel bis Z wie Zumba- Kurs im werkseigenen Fitnessbereich. Über 90 Prozent der Mitarbeiter gaben 2012 in einer Umfrage an, hilfreiche Maßnahmen zur Gesundheitsförderung zu erhalten. Die Unfallrate liegt deutlich unter den Vergleichswerten der Berufsgenossenschaft ETEM (Energie, Textil, Elektro, Medienerzeugnisse); der Krankenstand einschließlich Langzeiterkrankungen lag im Juni 2014 bei 4,6 Prozent. Nicht von ungefähr also wurde die SMA-Unternehmenskultur 2011 und 2012 mit dem 1. Platz beim Wettbewerb „Great Place To Work“ ausgezeichnet.  

Ergonomie-Check schon im Produktentstehungsprozess  

Neu an dem jetzt installierten Ergonomiemanagement sind die Tiefe der Ergonomiebetrachtung und das Ziel, die Ergonomie explizit bereits im Produktentstehungsprozess zu berücksichtigen. Der Ansatz „First time right“ als effizienteste Variante der Ergonomie bedeutet für SMA, „Arbeitsbedingungen zu schaffen und Verhaltensweisen zu beachten, die es allen Mitarbeitern ermöglichen, ihre volle Leistung zu bringen, ohne chronische Fehlbeanspruchungen und Langzeit- oder Spätfolgen zu erleiden“, wie es in den SMA-Leitlinien Ergonomie heißt. Den Anstoß gaben zwei Entwicklungen: die Einführung von MTM im Rahmen von Prozessverbesserungen sowie Auffälligkeiten im Arbeitsunfähigkeitsgeschehen bei Muskel-Skelett-Erkrankungen laut Gesundheitsbericht der Krankenkassen. Mit dem Status-Quo-Szenario, einem Verfahren der epidemiologischen Prognose von Erkrankungshäufigkeiten, wurde der in den kommenden Jahren zu erwartende alterungsbedingte Anstieg der Muskel-Skelett-Erkrankungen abgeschätzt.

Das Ergebnis nahm SMA zum Anlass, ergonomische Risiken im Unternehmen auf den Prüfstand zu stellen. Ein Projektteam aus Arbeitsschutz- und Gesundheitsexperten und eigens dafür installierten Ergonomiebeauftragten aus dem Industrial Engineering der Divisionen nahm mit Hilfe des Instruments „Ergo-Check“ von MTM eine Ist- und Soll-Analyse vor. Ausgehend von dem Befund einer bisher ausschließlich korrektiven Vorgehensweise mit starkem Fokus auf der Lastenhandhabung wurde das Konzept für ein ganzheitliches, prospektives Ergonomie-Management entwickelt, das sowohl die Produkt- und Produktionsergonomie als auch die ergonomische Arbeitssystemgestaltung umfasst. Neben der Verhaltens- und Büroergonomie soll auch die psychologische Arbeitsgestaltung betrachtet werden.

Vier-Stufen-Konzept in EFQM-System integriert

Das Vorhaben ist komplex. Allein die unterschiedlichen Produktionsverfahren mit den entsprechenden Belastungsspektren reichen von der kurzzyklischen Linienfertigung im Bereich Medium Power Solution (Taktzeit ca. 5 Minuten) über die langzyklische Fließfertigung der Schaltschränke im Bereich Power Plant Solution (Taktzeit ca. 60 Minuten) bis hin zur Einzel-Werkstattfertigung für die Bahn-Bordnetzumrichter der SMA Tochter Railway Technology (Taktzeit ca. 35 Stunden). Deshalb wurde zur Umsetzung des Ergonomie-Managements ein langfristiges Vier-Stufen-Konzept der TU Darmstadt herangezogen und modifiziert in das bewährte EFQMSystem des Betrieblichen Gesundheitsmanagements integriert. Führungskräfteeinbindung, Mitarbeiterbeteiligung, Strategie und Planung, Ressourcen, Prozesse und Strukturen sowie Ergebnisorientierung werden dabei systematisch und iterativ vorangetrieben. Bis 2018 sollen folgende Schritte umgesetzt sein:

  • Stufe 1: „Bewertungsverfahren, Wissen“
  • Stufe 2: „Durchgängige Anwendung“
  • Stufe 3: „Integration in den Produktlebenszyklus“
  • Stufe 4: „Fähigkeitsgerechte Mitarbeiter-Einsatz-Planung“.


Physische und psychische Belastungen bewertet

In der jetzt gestarteten Stufe 1 geht es in neun definierten Pilotprojekten innerhalb einer zweidimensionalen Ergonomie-Landkarte von Bereichen und Ergonomie-Tiefe darum, einheitliche Bewertungsverfahren unternehmensweit für die physische und die psychologische Ergonomiebewertung einzuführen und zu erproben sowie ergonomisches Wissen im Unternehmen durch Schulungsmodule etc. zu verbreiten. Als Bewertungsverfahren für die physischen Belastungen wurde EAWSdigital (Ergonomic Assessment Work Sheet) implementiert, das Körperhaltungen, Aktionskräfte, Lastenhandhabung, Extrapunkte und repetitive Belastungen der oberen Extremitäten (Hand-Arm-System) nach Belastungsdauer und Belastungsintensität bewertet.

Für die psychologische Arbeitsplatzbewertung wurde „REBA 9.0“ (Rechnergestützte arbeitspsychologische Bewertung von Arbeitstätigkeiten) eingeführt, das auf der Basis der Handlungsregulationstheorie nach Prof. Hacker die psychische Beeinträchtigungsfreiheit (Ebene der psychischen Gefährdungsbeurteilung) sowie die Lern- und Persönlichkeitsförderlichkeit geplanter oder bestehender Arbeitsplätze in Produktion oder Büro bewertet. Beide Verfahren bewerten das Ergebnis nach dem Ampelsystem und geben dadurch klare Hinweise auf Gestaltungsanforderungen. Sie ergänzen als Expertenverfahren geradezu ideal die Beteiligungsinstrumente Arbeitssituationsanalyse und Gesundheitszirkel, mit denen SMA bereits intensiv arbeitet. Obwohl das Ergonomiemanagement sich nun erst seit Mai 2014 in der Pilotphase befindet, konnte die Bewertung mit EAWS im Zentral- Wechselrichter-Bereich bereits zur Verbesserung der Produktionsergonomie beitragen.
Henning Schneider, Head of Standard Products, Development Central Inverter Solutions, und Mike Terlinden, EVP Corporate Operations, sind sich einig, dass EAWS einen sehr guten Ansatz bietet, „um die Belastung der Mitarbeiter zu senken, ohne die Kosten drastisch zu erhöhen“.


Verbesserungspotenzial bereits in Pilotphase sichtbar

Auch das Pilotprojekt an der Fertigungslinie G im Bereich Medium Power Solutions bei dem 13 Arbeitsplätze mit EAWS bewertet wurden und derzeit neben Gestaltungsmaßnahmen auch Schulungsbausteine für die Mitarbeiter entwickelt werden, birgt eine Fülle an Verbesserungspotenzial. Markus Hülfenhaus, zuständiger Vice President Production Medium Power Solutions, will deshalb das Thema Ergonomie fest in die Aufgaben der neuen Teamleiter Operational integrieren.  


Neuer Ergonomie-Service unternehmensweit gefragt 

Über die insgesamt neun Pilotprojekte hinaus gibt es bereits eine rege Nachfrage nach dem neuen Ergonomie-Service bei SMA. Dies freut Lydia Sommer, Vorstand Finanzen und Personal, Arbeitsdirektorin, und BR-Vorsitzenden Mirko Zeidler, dem besonders auch die psychologische Arbeitsplatzbewertung mit REBA 9.0 in der SMA Service Line am Herzen liegt. Beide sind Mitglieder des Lenkungsteams Betriebliches Gesundheitsmanagement, das Ende April 2014 den Startschuss zum Ergonomiemanagement gegeben hatte. Lydia Sommer: „Das Ergonomiemanagement betrachten wir als Wertschätzung unserer Mitarbeiter und unserer Kunden, weil wir damit sowohl die Gesundheit der Mitarbeiter als auch die Leistung des Arbeitssystems nachhaltig fördern können.“

Die Evaluationsergebnisse für die ersten 100 vorbeugenden Ergonomieberatungen am Bildschirmarbeitsplatz sind Erfolg versprechend: 87 Prozent der beratenen Kollegen geben an, sehr zufrieden mit den vorgenommenen Einstellungen zu sein, 97 Prozent geben an, nützliche Tipps und Anregungen für das eigene Gesundheitsverhalten erhalten zu haben. Nahezu jeder dritte Mitarbeiter berichtet von spürbaren Verbesserungen des körperlichen Wohlbefindens am Arbeitsplatz.  

ek

 
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