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Simulation und Taktung die wichtigsten Säulen der Fertigung

Knaus Tabbert Produktionssystem: Komplexität und Variantenvielfalt beherrschen
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Veröffentlicht am
09.09.2014
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Unternehmen & Projekte (66) > Produktionssysteme (5) > Simulation und Taktung die wichtigsten Säulen der Fertigung
Seit 2001 setzt Knaus Tabbert das Bausteinsystem MTM-UAS und die Software TiCon zur Kalkulation bzw. Planung und Steuerung des Produktionssystems ein. Hinsichtlich Bestandsmanagement und Kundenorientierung setzt Knaus Tabbert auf das Pull-Prinzip und den One-Piece-Flow.

Die Knaus Tabbert GmbH, einer der europäischen Marktführer im Wohnwagen-, Kastenwagen- und Reisemobilbau, war Gastgeber des 6. Treffens der MTM/IE-Regionalgruppe Niederbayern. Das Unternehmen produzierte im vergangenen Jahr mit ca. 1.200 Mitarbeitern an fünf Standorten mehr als 12.000 Einheiten. Der Umsatz lag bei 275 Millionen Euro. Am Stammsitz im niederbayerischen Jandelsbrunn mit etwa 650 Beschäftigten werden Wohnwagen und Reisemobile der Marken Knaus und Weinsberg gebaut. Zum Portfolio von Knaus Tabbert gehören außerdem die Marken Tabbert mit dem Produktionsstandort Mottgers (Hessen) und Bavaria Camp in Obermeitingen. Die Produktion von Kastenwagen der Marken Knaus und Weinsberg sowie Wohnwagen der Marke Weinsberg und T@B ist im ungarischen Nagyoroszi beheimatet. Seit 2001 setzt Knaus Tabbert das Bausteinsystem MTM-UAS und die Software TiCon zur Kalkulation bzw. Planung und Steuerung des Produktionssystems ein. In Mottgers wurde MTM 2009, in Ungarn 2013 eingeführt.

Norbert Fürst, Leiter Arbeitsvorbereitung, der gemeinsam mit Regionalgruppenleiter Johann Zitzelsberger das Treffen vorbereitet hatte, konnte neben den Stamm-Mitgliedern auch drei neue Firmen in der Runde begrüßen – ein beredtes Zeichen dafür, dass das Konzept der MTM/IE-Regionalgruppenarbeit aufgehe und das Interesse an Informationen aus erster Hand, Diskussion und Erfahrungsaustausch zu Themen des Industrial Engineering weiter wachse, stellte er fest. Knaus Tabbert-Geschäftsführer Werner Vaterl ließ es sich nicht nehmen, die Regionalgruppe persönlich willkommen zu heißen und das Unternehmen vorzustellen.

Bei Knaus Tabbert wurden beizeiten Prozesse und Standards vereinheitlicht und im Knaus Tabbert Produktionssystem (KTPS) zusammengeführt. Auch Bereiche wie Arbeitsvorbereitung, Logistik und Qualitätssicherung seien standortübergreifend organisiert; die Vorgaben – inklusive persönlicher und sachlicher Verteilzeiten – erfolgten zentral, so Vaterl. Noch bestünden unterschiedliche Reifegrade hinsichtlich der Umsetzung des KTPS an den einzelnen Standorten, doch daran arbeite man kontinuierlich – mit externer Unterstützung und der Qualifizierung eigener Mitarbeiter. In Jandelsbrunn besteht das MTM-Team aus vier Mitarbeitern, in Mottgers und Ungarn bislang aus je zwei.

MTM wird bei Knaus Tabbert zur Produktkalkulation bereits ab Prototypenbau und zur Austaktung der Mitarbeiter bzw. Personalbedarfsplanung in der  Montage eingesetzt. „Wir bauen ausschließlich nach Kundenbedarf“, stellte Vaterl fest – angesichts 220 verschiedener Varianten bzw. Layouts im Wohnwagen- und Reisemobilbau, die dann auch noch mit den unterschiedlichsten Sonderausstattungswünschen der Kunden kombiniert werden, eine besondere Herausforderung für die Flexibilität des Produktionssystems und der Mitarbeiter. Die Einführung von MTM habe viel Staub aufgewirbelt, doch mittlerweile sehe der Betriebsrat die Vorteile für beide Seiten: nachvollziehbare Zeiten und eine transparente Datenbasis, erklärte der Geschäftsführer. Bei der Einführung von MTM am Standort Mottgers seien die Betriebsräte gleich mit in die Schulung eingebunden worden, um von vornherein Akzeptanz für die Methode zu schaffen – „und das ist auch gelungen.“

Das Werk Jandelsbrunn verfügt über eine vorgelagerte Möbelproduktion, eine technologisch ausgereifte Aufbau- und Seitenwandfertigung und drei Endmontagelinien. Während die Möbelteile früher fünf Tage vor Serienstart zugeschnitten und aufwändig zwischengelagert wurden, wird das Material heute erst einen Tag vor Produktionsbeginn zugeschnitten und direkt im Supermarkt zum Verbau an den Linien – eine für Wohnwagen bis 5,50 Meter Länge, eine für Lifestyle-Wohnwagen ab 5,50 Meter Länge sowie ein Band für Reisemobile – bereitgestellt. Täglich werden ca. 10.000 Einzelteile produziert und montiert. 20 bis 25 Wohnwagen und 13 Reisemobile verlassen pro Tag das Werk. Die Gesamtkapazität in Jandelsbrunn liegt bei 65 Einheiten pro Tag. 

Herausforderung: Flexible Produktion 

Sonja Wagner-Fenzl, Projektmanagerin Technik und Logistik, ist bei Knaus Tabbert für die Themen Lean, Prozess- und Bestandsoptimierung zuständig und in dieser Funktion direkt dem Geschäftsführer unterstellt, was auch den Stellenwert des Industrial Engineering im Werk unterstreicht. Qualität produzieren, Verschwendung vermeiden, Potenziale erschließen und realisieren, nennt die Projektmanagerin als die wichtigsten Ziele. Zur Sicherstellung der Qualität wurden, beim Lieferanten beginnend, ein standardisierter Fehlermeldeprozess und standardisierte Qualitätsregelkreise eingeführt. An den Bändern, die mit einer Geschwindigkeit von 32 Zentimetern pro Minute laufen, gibt es sogenannte Qualitätstore, „d. h. am Ende jeder Gruppe wird der Arbeitsschritt geprüft und muss fehlerfrei an die nächste Gruppe übergeben werden“, erläuterte Sonja Wagner-Fenzl.

Hinsichtlich Bestandsmanagement und Kundenorientierung setzt Knaus Tabbert auf das Pull-Prinzip und den One-Piece-Flow. Besondere Herausforderungen sind laut Projektmanagerin das Change Management, der Aufbau standardisierter Arbeit und – vor allem – die Flexibilisierung der Produktion auch für die Kleinstserienfertigung. Interessante Einblicke in die Arbeitsvorbereitung bei Knaus Tabbert gab Helmut Stadler. Simulation und Taktung seien gerade angesichts der hohen Komplexität und Variantenvielfalt die wichtigsten Säulen der Fertigung, stellte er fest. Die Simulation sei wichtig, „weil das Ganze transparent wird“, so Stadler. Aufgrund der Saisonzyklen in der Branche gebe es auch eine entsprechend hohe Schwankung bei der Mitarbeiterzahl an den Bändern. Hier sei exakte Personalbedarfsplanung und optimale Austaktung – die aktuellen Taktzeiten liegen zwischen 35 und 60 Minuten – entscheidend, um die Produktivität zu halten, so Stadler. Mit der Umstellung auf SAP als Unternehmenssoftware wurde die Voraussetzung geschaffen, bei Sonderwünschen von Kunden noch flexibler agieren zu können. Die Arbeitspläne aus TiCon werden direkt von SAP für Taktung, Simulation und Personalvorschau pro Arbeitsplatz verarbeitet.

„Wenn MTM hier funktioniert, dann überall“

Die Werksbesichtigung, geführt von Norbert Fürst und Produktionsleiter Herbert Krinninger, die Vorstellung und Diskussion des Knaus Tabbert Produktionssystems, den Vortrag von MTM-Mitarbeiterin Julia Meyer zum Thema Sichtprüfen und die abschließende Feedbackrunde nutzten die Mitglieder der Regionalgruppe, um mit den Fachkollegen ins Gespräch zu kommen, Erfahrungen auszutauschen und viele Impulse mitzunehmen für die eigene Arbeit. Es sei immer spannend, andere Branchen zu sehen, stellte Nadine Seebauer von Siemens Infrastructure & Cities Sector in Regensburg fest. „Ich erhoffe mir hier auch aus der Gruppe Motivation und Unterstützung“, fügte sie an.

Thomas Riedl von Siteco Beleuchtungstechnik in Traunreut war vor allem von Losgröße und Logistik überrascht. „Respekt, wie das hier bewerkstelligt wird“, sagte er. Dieser Einschätzung schloss sich auch Regionalgruppenleiter Johann Zitzelsberger an: „Wenn MTM bei solchen Losgrößen und Größen der Bauteile funktioniert, dann funktioniert's überall.“ Das nächste Treffen der Regionalgruppe Niederbayern findet voraussichtlich im November bei der Firma Rosenberger in Fridolfing statt, die ebenfalls in der MTM/IE-Regionalgruppe mitarbeiten will.

 
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