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Teilnehmer der 5. IE-Fachtagung in Dortmund sind sich einig:

Industrial Engineers auch in der Industrie 4.0 unverzichtbar

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Veröffentlicht am
09.09.2014
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Gut 250 Teilnehmer erlebten Vorträge und Diskussionen rund um die Digitale Fabrik, die Mensch-Roboter-Kooperation, das Industrial Data Mining und das Industrial Engineering als wichtigen Gestaltungsfaktor auch in der Industrie 4.0.

Die Veränderungen der Arbeitswelt durch Industrie 4.0 standen im Fokus der 5. Dortmunder IE-Fachtagung am 5. Juni 2014, veranstaltet von der Deutschen MTM-Vereinigung e. V., dem Institut für Produktionssysteme (IPS) der TU Dortmund und dem RIF e. V. Institut für Forschung und Transfer. Gut 250 Teilnehmer erlebten spannende Vorträge und Diskussionen rund um die Digitale Fabrik, die Mensch-Roboter-Kooperation, das Industrial Data Mining und das Industrial Engineering als wichtigen Gestaltungsfaktor auch in der Industrie 4.0.

Die Schwerpunktthemen der Dortmunder IE-Fachtagungen seit der ersten Veranstaltung 2006 spiegeln ein gutes Stück die Entwicklung des Industrial Engineering in Deutschland wider. So feierten die Methoden und Tools des IE unter den Begriffen Lean und Ganzheitliches Produktionssystem eine Wiedergeburt. Später ging es um die Positionsbestimmung „Zwischen Taylor und Toyota“. 2010 rückte unter dem Motto „Prospektiv planen und kontinuierlich verbessern“ auch die neue Rolle des Industrial Engineers als Prozessmanager, der zusätzlich zur Methodenkompetenz über System- und Problemlösungskompetenz verfügt, in den Fokus. Die Fachtagung 2012 widmete sich dann speziell dem Thema „Kernkompetenz entwickeln und entfalten“. Kein Jahr darauf wurde für die Produktionsarbeit in Deutschland der Beginn eines neuen Zeitalters ausgerufen: die Industrie 4.0, in der Produktionssysteme mit Informations- und Kommunikationstechnik verknüpft werden – eine Entwicklung, die bis zu intelligenten, sich selbst steuernden Objekten im Produktionsprozess reicht. 


Smart Factory: Evolution statt Revolution 

Für Prof. Dr. Jochen Deuse, Leiter des Instituts für Produktionssysteme der TU Dortmund, steht fest, dass mit der Industrie 4.0 die Renaissance des IE nicht beendet ist. „Die industrielle Revolution wird viele Dinge verändern – und die Industrial Engineers werden sich darauf einzustellen haben“, betonte er eingangs der Fachtagung. Welches Gestaltungsparadigma in der Industrie sich am Ende durchsetze – das führende organisationszentrierte mit Lean Management und Toyota Production System oder das technikzentrierte der Industrie 4.0 – dazu wage er keine Prognose abzugeben. Eines jedoch sei für ihn klar: Auch in den Fabriken der Zukunft müssen Mensch, Technik und Organisation in Einklang gebracht werden – eine originäre Aufgabe des Industrial Engineering.

Mit der Industrie 4.0 halte das Internet der Dinge Einzug in die Fabriken, sagen die Experten. Das sei kein revolutionärer Akt, sondern ein evolutionäres Vorgehen, betonte Prof. Dr. Wolfgang Wahlster, Geschäftsführer und technisch-wissenschaftlicher Leiter des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz GmbH. In seinem Vortrag entwarf er eine Vision von Industrie 4.0, in der Arbeitsinhalte nicht nur maschinenlesbar, sondern auch maschinenverstehbar sind, d. h. Maschinen sich z. B. über Internet-Protokolle weltumspannend untereinander abstimmen können. Der Schlüssel ist das semantische Produktgedächtnis, sprich maschinenverständliche Informationen, Normen und Standards, die das entstehende Produkt von der Konstruktion bis zum Versand mit sich trägt und quasi der Maschine sagt, was als nächstes mit ihm geschehen soll. „Das ist eine der wesentlichen Ideen, die wir mit Industrie 4.0 verfolgen – und wir sind hier auf einem guten Weg“, so Wahlster. Seine Vision beinhaltet übrigens keine menschenleere Fabrik. Der Mensch, sagte Wahlster, spiele auch in der Smart Factory eine zentrale Rolle.

Dr. Ulrich Roßgoderer und Dr. Georg Piepenbrock, Director of Product Management bzw. Product Manager Manufacturing Planning Solutions, Siemens Industry Software GmbH in München, fokussierten den Beitrag, den Siemens PLM zur Industrie 4.0 leistet: die durchgängige Vernetzung von Produktund Produktionsdaten und die intelligente Visualisierung dieses vernetzten Datenbestandes als Basis der Entscheidungsfindung. Ein aktuelles Beispiel für die Symbiose zwischen Industrial Engineering und Industrie 4.0 ist die simulationsgestützte Wertstromanalyse. Da die klassische Wertstromanalyse größtenteils auf statischen Daten beruhe, wurde eine Version entwickelt, die auch die dynamischen Verhältnisse des Produktionssystems, wie Variantenvielfalt, Qualität oder Schwankungen, betrachtet. In jedem Fall sei die Vollständigkeit der Daten Voraussetzung für die Anwendung digitaler Simulationswerkzeuge. Hier sei der Industrial Engineer, der das Produktionsmodell beschreibt, analysiert und bewertet, auch in Zukunft unverzichtbar.


Kooperation von Mensch und Maschine macht flexibler

In der Automobilindustrie nimmt der technologische Wandel von verbrennungsmotorischen zu elektrischen Antrieben weiter Fahrt auf. Diese Entwicklung erfordert laut Dr. Markus Fallböhmer, Hauptabteilungsleiter Planung und Produktion elektrische Antriebssysteme bei BMW in München, skalierbare und hoch flexible Produktionssysteme. Die Mensch- Roboter-Kooperation (MRK) – vom Prototypenbau bis zur Großserie – sei ein Befähiger in punkto Flexibilität und Volumenwachstum, stellte Fallböhmer fest. Dar über hinaus leiste die Mensch- Roboter-Kooperation einen wesentlichen Beitrag zur Arbeitssicherheit und Reduzierung physischer Belastungen in der Produktion.

In vielen Datenbeständen schlummert ungenutztes Potenzial. Dessen ist man sich bei Software- Anbieter RapidMiner sicher. Denn die Daten aus Produktion, Fertigung, Montage oder Wartung, Kennzahlen zu Kosten oder Qualität, Maschinenund Prozessparameter allein seien nur der Rohstoff, betonte Ralf Klinkenberg, General Manager RapidMiner. Ein Mehrwert für das Unternehmen generiere sich erst mit der Analyse der Daten. Gemeinsam mit VP Engineering Dr. Simon Fischer gab Klinkenberg einen Überblick über die Potenziale, die mit RapidMinerbasierten Lösungen gehoben werden können, z. B. Prognosen zu erstellen, um frühzeitig Aufwände und Risiken zu erkennen, Gefahren abzuwenden und auch Chancen zu nutzen.

Industrie 4.0: Chance und Herausforderung

Mit arbeitspolitischen Konsequenzen aus Industrie 4.0 beschäftigten sich Dr. Detlef Gerst, Referent Arbeitsgestaltung und Gesundheitsschutz, IG Metall Vorstand, und Kai Schweppe, Geschäftsführer Abteilung Arbeitspolitik, Südwestmetall – Verband der Metall- und Elektroindustrie Baden-Württemberg e. V., in einem Tandemvortrag. Als Taktgeber für die Arbeitspolitik nannte Schweppe den technologischen Fortschritt, den demografischen Wandel, den globalen Wettbewerb, den Fachkräftemangel und die Gesundheit der Mitarbeiter. Die Lösung werde Industrie 4.0 hier nicht sein, eher die Herausforderung, stellte er fest. Aber, betonte Schweppe, er sehe in der Industrie 4.0 viele Chancen. Arbeiten in der Welt von Industrie 4.0 bedeute auch globale Arbeitsteilung, Familie und individuelle Lebensmodelle, Mobilität, adaptive Arbeitsorte, digitale Vernetzung, durchlässige Altersgrenzen und Ökologie. Arbeitsgestaltung und Arbeitsorganisation – und damit das Industrial Engineering – seien wichtige Einflussfaktoren für den Erfolg einer Entwicklung in Richtung Industrie 4.0, stellte Gerst fest. Er halte die Vision grundsätzlich für realisierbar, Machbarkeit und Bedarf würden jedoch vor allem von den klein- und mittelständischen Unternehmen derzeit noch angezweifelt.

„Wer eine raschere Entwicklung von Smart Factories fördern will, sollte sich darauf konzentrieren, an konkreten Beispielen den zusätzlichen Nutzen plausibel zu erläutern“, sagte Gerst. Darüber hinaus sieht er die Notwendigkeit einer ethischen Debatte zum Stellenwert des Menschen in der Arbeitswelt der Zukunft und regte die Entwicklung von Planungsrichtlinien für menschliche Arbeit in der Industrie 4.0 an.

Dass Schweppe und Gerst ihre Positionen zum Thema „Arbeitspolitische Konsequenzen“ in einem gemeinsamen Vortrag darlegten, wurde vom Auditorium besonders positiv gewertet. Es sei doch eine große Chance für Arbeitgeber und Gewerkschaft, auf dieser Ebene miteinander über Zukunftsthemen zu reden, hieß es. 

ikh

 
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