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Mit EAWSMultiMo zum Erfolg

Ergonomiebewertung für langzyklische Tätigkeiten
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Veröffentlicht am
04.07.2013
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Unternehmen & Projekte (66) > Ergonomie (28) > Mit EAWSMultiMo zum Erfolg
Zur Schaffung ergonomischer Arbeitsplätze kombiniert die DB Fahrzeuginstandhaltung GmbH 2 Methoden: EAWS und Multimoment-häufigkeitsstudie.

Eng verbunden mit dem Ort Dessau-Roßlau, der drittgrößten Stadt des Bundeslandes Sachsen-Anhalt, sind die Namen Walter Gropius, Architekt und Gründer des auf der Welterbeliste der UNESCO verzeichneten Bauhauses, Hugo Junkers, der mit seinen Flugzeugkonstruktionen die Luftfahrtentwicklung revolutionierte, und Friedrich Lutzmann als Konstrukteur und Automobilpionier der ersten Stunde. Die Gebrüder Opel kauften 1899 seine Motorwagenfabrik und stiegen mit ihm in Rüsselsheim in den Automobilbau ein. Aber auch die Instandhaltung von schwergewichtigen Schienenfahrzeugen hat hier eine lange Tradition: Schon seit 1929 werden hier Lokomotiven ausgebessert. Heute gehört das Werk zur DB Fahrzeuginstandhaltung GmbH und ist innerhalb des DB-Konzerns für die sogenannte schwere Instandhaltung von Elektrolokomotiven und deren Komponenten zuständig.

Ob fristgemäße Revisionen, Instandsetzungen nach einem Unfall, Aufarbeitung von Komponenten oder Modernisierungsprojekte: Als einer der leistungsfähigsten Full-Service-Dienstleister in Europa verfügt die DB Fahrzeuginstandhaltung GmbH in seinen zwölf Werken über die erforderliche Größe, die notwendige Erfahrung und die moderne Technologie, die für eine optimale Instandhaltung von Schienenfahrzeugen benötigt wird. Mit rund 8.400 Mitarbeitern in den Werken und Werkstätten betreut die DB Fahrzeuginstandhaltung GmbH ca. 350 Lokomotiven, 300 Triebzüge, 750 Reisezugwagen sowie weitere Fahrzeugtypen und deren Komponenten.
Zur Schaffung ergonomischer Arbeitsplätze für die Vielzahl langzyklischer Tätigkeiten wurde in Dessau-Roßlau ein neuer Ansatz entwickelt: Die Bewertung mit EAWS (Ergonomic Assessment Work Sheet) anhand der Ergebnisse einer Multimoment-Häufigkeitsstudie.
Eine riesige, knapp 20 Meter hohe und über 200 Meter lange Halle empfängt den Gast im Werk in Dessau-Roßlau. Zu beiden Seiten einer Arbeitsgrube mit fahrbarer Schiebebühne und Deckenkran-Traverse stehen über 20 alte und neue Lokomotiven, angefangen von den Arbeitspferden des Gütertransports bis hin zu den Zugmaschinen des Nah- und Fernverkehrs. Die meisten sind im klassischen Rot der DB lackiert, andere wiederum tragen Farbe und Schriftzug externer Kunden. Allen aber ist eines gemeinsam: Sie sind eines Großteils ihrer maschinellen Eingeweide beraubt und wirken wie skelettiert. Um die ausgebauten Innereien kümmert man sich in einer anderen Halle.
2.000 Komponenten stehen zur Bearbeitung an, 30.000 Positionen umfasst das Materiallager und nicht weniger als eine Million Arbeitsstunden verschlingt die Aufarbeitung aller Komponenten im Jahr.

Ergonomie in der Fahrzeuginstandhaltung

In Abhängigkeit vom Schadensbild am Fahrzeug, den Forderungen der Kunden und der Terminplanung gibt es im Werk Dessau wie in den anderen Instandhaltungswerken starke Schwankungen hinsichtlich Arbeitsaufgabe, Arbeitsumfang und eingesetzter Technik. Für die Mitarbeiter ergeben sich dabei häufig folgende Belastungen:
- eingeschränkte Zugänglichkeit
- viele Tätigkeiten in Körper-Zwangshaltungen
- permanentes Verdrehen des Oberkörpers
- hohe Aktionskräfte im Arm- und Ganzkörperbereich
- häufige manuelle Lastenhandhabungen (Umsetzen, Tragen sowie Ziehen und Schieben)
- ungünstige Umgebungseinflüsse, z. B. Lärmbelastung.

Im Rahmen eines standortübergreifenden Projektes „Alternsgerechte Arbeitsplätze“ – das Durchschnittsalter der gewerblichen Mitarbeiter liegt für alle 12 Instandhaltungswerke bei ca. 50 Jahren – arbeiten der Ergonomieberater Denes Kukawka, Referent für Produktionsoptimierung, und Tino Schaller, Abteilungsleiter Produktionsoptimierung, schon längere Zeit erfolgreich mit zwei Partnern zusammen. Die Vitality Solution GbR unterstützt mit ihren Sportwissenschaftlern beim betrieblichen Gesundheitsmanagement mit dem Schwerpunkt Verhaltensergonomie, beim ganzheitlichen Ansatz unter Einbeziehung arbeitswissenschaftlicher Erkenntnisse gibt es eine intensive Zusammenarbeit mit Dr. Steffen Rast, Bereichsleiter Ergonomie bei der Deutsche
MTM-Gesellschaft. Das gemeinsame Ziel ist die Schaffung ergonomisch alternsgerechter  Arbeitsplätze, die auch dem demographischen Wandel und seiner Verschiebung in den Altersstrukturen gerecht werden. Wichtig sind dabei sowohl die arbeitsökonomische Effizienz der Tätigkeiten als auch die Senkung der physischen Belastungen.

Sisyphusarbeit bei langzyklischen Tätigkeiten

Für kurzzyklische Tätigkeiten wurden bereits erste Erfolge mit dem Einsatz von ergonomicsExpress erzielt. Bei langzyklischen Tätigkeiten stieß man aber aufgrund der besonderen Arbeitsbedingungen in der Instandhaltung von Schienenfahrzeugen an
Grenzen. „Zur qualifizierten Ermittlung der Belastungen durch Körperhaltungen, Handhabung von Lasten und der gerade bei uns besonders beanspruchten oberen Extremitäten wäre eine Bewertung mit dem EAWS-Verfahren optimal. Für die ausschließliche Bewertung mit diesem Verfahren ist allerdings eine umfassende Datenbasis hinsichtlich der Belastungsarten, Belastungshöhen und Belastungsdauern
des einzelnen Arbeitsplatzes not- wendig. Wir haben es aber auch mit Arbeitsplätzen zu tun, bei denen langzyklische Tätigkeiten von 100 bis 1.000 Stunden je Arbeitsauftrag anfallen. Zur Erfassung der Daten wäre mit EAWS eine dauerhafte Beobachtung der Tätigkeiten über einen längeren Zeitraum notwendig. Das wäre sehr zeitaufwändig und kostenintensiv, also haben wir uns Gedanken über Alternativen gemacht“
, erläutert Kukawka die Notwendigkeit, neue Wege zu beschreiten.

EAWS + MMH = EAWSMultiMo

Zusammen mit Rast wurde die Idee entwickelt, zwei etablierte Methoden zu kombinieren: Die Datenerfassung mit einer Multimoment-Häufigkeitsaufnahme und die ergonomische Bewertung der damit gewonnenen Ergebnisse mit EAWS, zusammen also: EAWSMultiMo.
Alle Ablaufarten, wie symmetrische oder asymmetrische Körperhaltung, werden dazu entsprechend der Erfordernisse von EAWS festgelegt. Als weitere Beobachtungskriterien dienen ergonomische Einflussgrößen wie Lastenhandhabung, Nutzung der Werkzeuge, Einschränkungen der Zugänglichkeit usw.
Anstelle der im EAWS-Verfahren vorgesehenen Vollerhebung erfolgt aber die Datenermittlung mit einer Multimoment-Häufigkeitsaufnahme. Die mit einer statistischen Sicherheit von 99 % ermittelten Anteile der Ablaufarten werden dann in das EAWS-Bewertungsverfahren übernommen und es kann relativ schnell eine belastbare Risikoanalyse für den beobachteten Arbeitsbereich erstellt werden.

„Wesentliche Vorteile sind der geringere Aufwand und die Flexibilität in der Anwendung“, schildert Kukawka seine ersten Erfahrungen mit dieser Methodenkombination.
„Beim klassischen EAWS-Verfahren störende Unterbrechungen der Aufnahme wie beispielsweise durch Betriebsurlaub oder krankheitsbedingtem Ausfall sind unproblematisch. Außerdem können saisonale Schwankungen der Aufträge bei der Bewertung berücksichtigt werden. Auf diese Weise haben wir die Vorzüge beider Verfahren kombiniert – eine gründliche und exakte Datenerfassung mit einer überschaubaren zeitlichen Begrenzung der Beobachtung in einer statistisch gesicherten Qualität! Und durch eine differenzierte Filterung der Daten können vielfältige Szenarien in Bezug auf ergonomische Risiken beurteilt werden.“

Fazit

„Aus der Kombination beider Methoden, der Multimomenthäufigkeitsstudie und EAWS, ergibt sich eine Vielzahl von weiteren Anwendungsmöglichkeiten, auch in anderen Bereichen und Branchen. Gerade für langzyklische und unregelmäßig auftretende Arbeitsvorgänge mit geringen Wiederholhäufigkeiten bietet diese Methodensynthese zahlreiche Verwendungsmöglichkeiten“, sieht Kukawka durchaus weiteres Potenzial für den Einsatz von EAWSMultiMo.

rb

 
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